Tuesday, January 22, 2013

Timkat, an Ethiopian madness

Völlig erschlagen von der Hitze sind wir in Metama, der sudanesisch-äthiopischen Grenze angekommen. Doch die Grenzer meinten es einmal mehr gut mit uns und liessen uns und unser Auto problemlos aus-, respektive einreisen. Kaum über der Grenze schleppte uns ein äthiopischer Bob Marley namens Happiness (kein Witz!) in eine Bierbar. Was für ein Ankommen: bei 38 Grad im Schatten ein kaltes Bier von leicht bekleideten Bardamen serviert zu bekommen und dazu ohrenbetäubend laute Musik hören. Den Vogel komplett abgeschossen hat dann unser Sudanesische Tischnachbar, der vor sich knapp 15 leere Bierflaschen hatte, wie ein kleines Kind kicherte und immer wieder vom Stuhl fiel. Landesgrenzen sind sehr künstlich, hüben wie drüben sitzen die gleichen Menschen, aber Regierungen entscheiden von oben herab, was man darf oder nicht. Das ist wohl auch der Grund, warum Grenzdörfer immer etwas Spezielles haben.

Äthiopische Dorfbewohner in den Bergen



Frohen Geistes liessen wir das heisse Unterland hinter uns und schlängelten uns durch atemberaubende Hügel und Berge aufs äthiopische Hochplateau. Im Vergleich zum Sudan sind die Menschen hier relativ scheu. Alle starren einem an, aber fast niemand getraut sich den ersten Schritt zu machen. Ein anderer Unterschied ist, dass man in Äthiopien die Strasse mit viel mehr Menschen und Tieren teilt. Unsere englischen Freunde, die früher schon in einem äthiopischen Spital gearbeitet haben, meinten denn auch, dass Fussgänger ein sehr gefährliches Leben leben.



Unser Kühler kocht immer mal wieder über...



Der Zufall wollte es, dass wir just am Vorabend zum grössten Fest Äthiopiens in Gonder ankamen. Gonder liegt auf 2200 Meter und hat 48 Kirchen. TIMKAT, so heisst das Fest, feiert die Taufe Jesu. Die äthiopische orthodoxe Kirche ist uralt und zählt 50 Millionen Anhänger. Für Timkat reisen Gläubige aussen allen Landesteilen nach Gonder, ausserdem hat es hier in Äthiopien auch wieder merklich mehr weisse Touristen. Die Stadt war also bei unserer Ankunft zum Bersten voll und wir hatten Glück, noch ein völlig überteuertes Zimmer zu bekommen.



Die nächsten drei Tage waren geprägt von Dutzenden Prozessionen, ekstatischen Tänzen, Honigwein, rituellen Bädern, lauter Musik, Bier und kurzen Nächten. Die Feier ging an die Substanz, denn wir waren uns weder die Höhe, den Alkohol oder die rasend schnellen Tanzbewegungen gewohnt. Die Frauen haben ihre Haare zu wunderschönen Zöpfen geflochten und zogen ihre beste Garderobe an.



Die Männer haben sich teilweise geschminkt und sich in grüne, enge, den Schritt betonende Hosen gezwängt. Der Tanzstil ist total faszinierend: man schüttelt in Lichtgeschwindigkeit seine Schultern und drückt immer wieder seine Brust nach Vorne. Männern sehen dabei aus wie ein stolzer Gockel und Frauen verdrehen mit ihrem Schütteln alle Männerköpfe.



Die Hauptzeremonie fand in einem im Wasser stehenden Tempel statt. Eine Stunde vor Sonnenaufgang versammelten sich abertausende Menschen um den Wassertempel. Um den See wurden Holzbühnen gebaut, die komplett überfüllt waren. Für uns grenzte es an ein Wunder, dass niemand in den Menschenmassen erdrückt wurde. Die Kinder kletterten für einen besseren Blick überall hoch, in jedem Baum sassen mindestens zehn Menschen.







Zum Schluss der Zeremonie segnete der Patriarch den See. Wie auf Kommando sprangen daraufhin hunderte Menschen ins Wasser um ihr Taufversprechen zu erneuern.





Vor Äthiopien waren wir erschlagen von der Hitze, jetzt sind wir es wegen Timkat. Nun ist es Zeit für höhere Gebiete. Wir lassen Gonder hinter uns und machen uns auf ins Simiangebirge. Dort schnuppern wir 4000 Meter Höhenluft und halten Ausschau nach dem seltenen äthiopischen Wolf.





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