Monday, January 21, 2013

Kassala and Dinder National Park



Nach drei Wochen im Sudan können wir eine erste Bilanz unserer Erfahrungen ziehen. Auf der von uns gewählten Route war die Reise absolut bedenkenlos. Es ist die aggressive Politik von Omar Al Baschir (seit 1989 Präsident), die dem Land einen schlechten Ruf einhandelten. Viele Länder boykottieren das Land, als Ausländer kann man nirgends Geld beziehen und das führte zu einem Zusammenbruch der Tourismusindustrie. Nach wie vor unsicher ist es im Osten und Süden des Landes, also gerade die Regionen, die von der Natur her sehr beeindruckend sein sollen. Im Süden trennt das Nuba Gebirge die beiden Sudan, in Darfur prägt das Marrah Vulkangebirge das Grenzgebiet zu Tschad. Der Rest des Landes ist stabil und die Infrastrukturmassnahmen scheinen zu greifen. Wie bereits früher erwähnt sind die Chinesen für den Aufbau mitverantwortlich. Wir sind keine Experten auf dem Gebiet, aber die Investitionen in die Infrastruktur scheinen das einzig richtige zu sein. Die grossen Hungersnöte in den siebziger und achtziger Jahren wurden nicht durch fehlende Nahrung, sondern durch fehlenden Nahrungsmittelzugang verursacht. Die Frage ist einfach, was für ein Preis der Sudan für die ausländischen Investitionen bezahlen muss. Noch immer prekär soll die Infrastruktur im Südsudan sein.





Wir fuhren den blauen Nil Richtung Äthiopien hoch. Der weisse Nil zweigt in Khartoum in den Südsudan ab und hat seinen Ursprung um den Viktoriasee. Das Leben ausserhalb der Hauptstadt ist einfach. Viele Menschen leben in einfachsten Basthütten ohne Strom und Wasseranschluss. Je weiter südlich wir fuhren, desto heisser wurden die Temperaturen. Als das Thermometer 40 Grad anzeigte, haben wir uns gewundert, wie die Menschen hier erst den Sommer überleben!



Wir haben einen Stopp in Kassala eingelegt. Die Stadt liegt am Fusse einer sehr schönen Gesteinsformation, die uns ans die Olgas in Australien erinnerte. Wir sind den Berg hochgestiegen, mussten aber auf halbem Weg aufgeben, da die Hitze zu stark und die Felsen zu steil wurden.



Je näher wir Äthiopien kommen, desto öfters wird uns neben Tee auch Kaffee angeboten. Die Techniken sind in jedem Dorf anders: einmal wird der Kaffee mit einer Art Watte in der Kanne gefiltert, ein anderes Mal abgeseiht, mal mit Ginger verfeinert. Was immer, aber auch wirklich immer gleich bleibt, sind die Unmengen an Zucker. Das Verhältnis Kaffee : Zucker ist meist 1: 1! Im Norden war das Teemachen noch fest in Frauenhänden (sie stammen oft aus Eritrea), hier im Süden sind es eher Männer, die Tee und Kaffee zubereiten.





Wir haben zu Beginn von den Krisenherden Darfur und Südsudan gesprochen. Eine dritte Konfliktzone befindet sich um Kassala, im Dreiländereck Sudan, Äthiopien und Eritrea. Sudan hat damit wenig zu tun. Das UNHCR hat aber Flüchtlingslager für Menschen aus Äthiopien und vor allem Eritrea aufgestellt. Offiziell ist der Krieg zwischen Eritrea und Äthiopien seit 2000 beendet, aber trotzdem leiden immer noch Menschen unter den Anspannungen der beiden Länder. Wir haben die Lager nicht zu sehen bekommen, die liegen fern ab der Hauptstrassen. Einzig die weissen UN Fahrzeuge erinnern an deren Präsenz.



Gegessen wird hier relativ einfach. Standardmässig gibt es immer Foul, ein Bohnenmus, das mit den Händen im Fladenbrot gegessen wird. Daneben gibts Fata, ein Brotmus, das wieder in Bohnen eingelegt wird. Natürlich gibt es auch Fleisch in Restaurant, aber die wenigsten leisten es sich jeden Tag. Als Snack gibt es an vielen Strassenständen Falafel an scharfer Sause mit Ei. Preis? 12 Rappen für einen kleinen Falafel, 1 Franken für eine Schüssel Foul, 5 Franken für ein ganzes Hühnchen.

Kurz vor der äthiopischen Grenze haben wir die Hauptstrasse verlassen und sind in den Dinder Nationalpark gefahren. Je länger wir gefahren sind, desto weniger bewohnt war das Gebiet. Trotzdem haben wir nie gewusst, ob wir schon im Park sind, denn es gab weder Informationen, noch Parkangestellte und immer mal wieder Bauern, die Esh kultivierten. Unsere Theorie ist, dass es keine klaren Parkgrenzen gibt. Und da der Tourismus in dieser Region gleich Null tendiert, ist das auch nicht so wichtig. Irgendwann wurde der Pfad dann für unser Auto unpassierbar und wir schlugen unser Camp auf. Trotz grösster Abgeschiedenheit kam immer mal wieder ein Besucher vorbei, schüttelte herzlich und lange unsere Hand und verabschiedete sich wieder ins hohe Gras. Die Sudani sind wirklich wahnsinnig herzliche und aufmerksame Menschen. Sie waren immer zur Stelle wenn wir Hilfe brauchten und respektierten trotzdem unsere kleine Privatsphäre im Camp.







Uns bleibt der Sudan deshalb vor allem wegen seiner Menschen in Erinnerung. Und wer die Wüste, Abgeschiedenheit oder farbige Unterwasserwelt sucht, ist im Sudan am richtigen Ort.

1 comment:

  1. I like all your fotos and especially the portrait with the motorbike and the black man. Keep on with your good luck. *wan

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