Kairo
Wir wurden ja bereits über die ägyptische Bürokratie gewarnt, aber es war trotzdem noch ein Ereignis für uns am Zoll. Zuerst Check Out Libya: wie bei der Einreise rasend schnell und unkompliziert, einfach ohne Sonnenbrille, hier das Bild vom libyschen Grenzer.
Zwischen Libyen und Ägypten gibt es ein Noman's Land wo das UNHCR ein Flüchtlingslager hat. Die Flüchtlinge kommen aus der Subsahara-Zone, Libyen, Tschad, Sudan oder Somalia. Viele wurden wegen ihrer Hautfarbe aus Libyen vertrieben, da in den letzten Wochen der Gadaffi-Ära Söldner aus der Subsahara-Zone angeheuert wurden. Danach standen alle Schwarzafrikaner unter Generalverdacht.
Am Lager vorbei ging's zum ägyptischen Zoll. Dort mussten wir alle unsere Gepäcksstücke röntgen und unser Visa abstempeln lassen. Das alleine dauerte eine Stunde, wir mussten mindestens in vier Büros und einiges Kleingeld liegen lassen. Danach konnten wir unser Auto verzollen, eine Autoversicherung abschliessen, uns einen provisorischen Führerausweis beschaffen und neue Nummernschilder anbringen. Das dauerte nochmals zwei Stunden und viel Baksheesh. Hier einige Bilder dazu:
Die Küste im Nordwesten Ägyptens ist wunderschön, das Meer türkis. Leider stand die Sonne schon tief und wir mussten einkehren. Wir fanden ein Trucker-Motel, dessen Bettlaken 2011 das letzte Mal gewechselt wurden. Wir verbrachten eine schlaflose Nacht, da unter uns eine 24h Küche und neben uns die Trucker Toilette war, wobei die Fernfahrer mehrere Mal fürs WC an unser Türe rüttelten. Um sechs Uhr morgens waren wir wieder auf der Strasse und fuhren nach Kairo.
Wir Lölis haben natürlich keinen GPS Routenplaner dabei, dafür das grandiose Apple Maps. Dass uns die App nicht gleich Mogadischu gelotst hat, grenzt an ein Wunder. Nach einer 2-Stunden-Suche fanden wir schliesslich unser Hotel in der Nähe des Tahrir Platz.
Midan Tahrir
Metro-Passagiere in Kairo

Vor dem Sudan ist Kairo die letzte Grossstadt und hier müssen wir uns die Visa besorgen. Die Lage in der Stadt ist angespannt, aber man kann sich ohne Probleme auf dem Tahrir Platz bewegen. Der Platz ist für den Verkehr gesperrt und überall sind Zelte aufgeschlagen. Mindestens zwei Mal pro Tag zieht eine Demo zum Platz. Die Regierungsgebäude sind durch riesige Betonblöcke abgeschottet. Die grössten Kundgebungen finden aber vor dem Präsidentenpalast in Heliopolis und in Alexandria statt.
Demonstrationszug zieht an unserem Hotel vorbei
Strassenblockade
Das Fussvolk bahnt sich seinen Weg an der Blockade vorbei
Street Art
Am Freitag ist Ruhetag und für uns der mit Abstand beste Tag, weil man sich ohne Stau durch die Strassen bewegen kann. Wobei das nur tagsüber gilt, denn nach Sonnenuntergang sind hier im Zentrum alle im Shoppingfieber, man kommt kaum vom Fleck.
Die Hotelbesitzerin, eine Schweizerin, meinte, dass die Touristen ausbleiben. Viele gehen zwar noch ans Rote Meer, aber die sonst üblichen Ausflüge nach Kairo zu den Pyramiden fallen aus. Tatsächlich hatte es bei den Pyramiden kaum Touristen. Wir waren trotzdem nicht ganz glücklich, denn jetzt stürzen sich einfach zehn Kamelführer gleichzeitig auf uns verbleibenden Touris. Uns war's dennoch wert, schliesslich geht in sechs Tagen die Welt unter und Giza ist eines der Weltwunder.



Heute war das Verfassungsreferendum. Wir waren zu Besuch bei Laila, einer ägyptischen Theaterregisseurin, die Dario vom Theater Spektakel kennt. Wir begleiteten sie zum Wahllokal. Männer mussten relativ lange anstehen, für Frauen ging's zügig vorwärts. Polizei- und Militärpräsenz war gross. Laila konnte ohne Probleme abstimmen, aber sie meinte, Freunde von ihr seien verhaftet worden, weil sie bei den Wahllokalen gefilmt haben. Twitter ist hier das Kommunikationsmittel Nummer 1. Viele ältere Ägypter haben auch einen Account, da es die beste Info ist, welche Strassen bei Protesten zu meiden sind und ausserdem wissen sie so besser Bescheid, was ihre protestierenden Kinder machen. Überhaupt sind viele Ägypter nach 22 Monaten krisenerprobt und kennen die besten Mittel gegen Tränengas (Essig einatmen und NICHT mit Wasser ausspülen!).
Schlange vor dem Wahllokal
Anschliessend assen wir mit Lailas Freunden und Familie zu Mittag. Dort lernten wir Husam kennen. Er ist sudanesischer Nubier und gab uns Tipps zum Nordsudan. Er ist Schauspieler und ein extrem netter Typ. Als wir ihm von Libyen berichteten, erzählte er uns eine lustige Anektote: Seine Lieblingsbeschäftigung als Teenager war es zu kiffen (ok, das ist nicht neu) und danach das libysche Staatsfernsehen einzuschalten und sich ab Gadaffis Reden kaputt zu lachen.
Husam
Laila
Husam & Laila
Am Abend haben wir uns die Probe zu einem Theaterstück über die Auswirkungen der Revolution angeschaut.
Morgen holen wir unser Visum für den Sudan ab, danach geht's in die Weisse Wüste. Zwei Blogleser waren schon da und haben uns Bilder geschickt. Das muss ein einmaliges Naturspektakel sein. Danke für die Tipps, wir freuen uns!
Hey .... echt coole Sache! Wir wollen die gleiche Route fahren und verfolgen eure Reise mit grossem Interesse ... weiter so !
ReplyDeleteGrüssle Thomas & Andrea
www.miles-to-ride.com