Wednesday, February 13, 2013

Danakil Depression



Von den Simian Mountains fuhren wir nach Axum, der Wiege der äthiopischen Hochkultur. Der Weg dahin war steinig und mühsam. Für 200 Kilometer brauchten wir mehr als zehn Stunden. Bald soll die Strecke asphaltiert werden, aber davor müssen noch Unmengen Tonnen Geröll aus dem Weg geräumt und dutzende Brücken geschlagen werden. Erst hier in Äthiopien wurde uns bewusst, was für eine Leistung der alpine Strassenbau in der Schweiz ist!

Axum, hinter den 17'000 Bergen






In Axum erwartet uns Dominique und für die nächsten drei Wochen werden wir zu dritt Äthiopien unsicher machen!

Nach all den Bergen und hie und da kalten Nächten hatten wir Lust auf Wärme und Wüste. Wir entschlossen uns deshalb für eine Expedition in den Danakil. Der Danakil ist eine Depression (unter dem Meeresspiegel) im Nordosten des Landes und grenzt an Eritrea und Djibouti. Die Region wird von den muslimischen Afar bewohnt, einem Nomadenstamm, der von Kamelen und Salzabbau lebt. Eine Reise in den Danakil ist mit viel Mühe und Gefahren verbunden, denn es gibt praktisch keine Strassen, kein Wasser, extreme Temperaturen und wegen der Nähe zu Eritrea braucht man Polizeischutz. Den letzten Punkt stellen wir mal wieder in Frage, aber immerhin verdient die Polizei so etwas an den Touristen. Die grösste Gefahr ist ein Autopanne und deshalb darf man nie alleine unterwegs sein. Wir schlossen uns einer Touristengruppe mit zwei Toyota Landcruiser an. Als wir am verabredeten Treffpunkt erschienen, musterten die Fahrer unser Auto und fragten uns, ob wir wirklich damit in den Danakil wollen? Wir sagten tapfer ja, denn wir wussten ja nicht, was uns erwartet.



Hier eine Zwischennotiz an alle Opelverantwortlichen: wir waren wohl der erste und letzte Opel im Danakil! Für dieses Risiko könnt ihr uns das nächste Mal gefälligst einen Karren sponsern oder uns gleich das Auto zwanzig Zentimeter höher legen!

Schon bei der Einfahrt in den Danakil (von 2500 Meter auf minus 200 Meter) stiessen wir an unsere Grenzen. Ständig berührten wir den Felsboden und als wir unten ankamen, war der erste Stossdämpfer komplett im Eimer. In der Ebene hatten wir mit fiesen Stacheln und einem platten Reifen zu kämpfen, aber das grösste Problem waren die tiefen Fahrrillen der Landcruiser. Sobald wir in ihre Spur gerieten, sackte unser Auto ein und blieb auf dem Bauch liegen (die Reifen hingen in der Luft). Dann ging nichts mehr uns wir mussten mit dem Abschleppseil aus dem Sand gezogen werden.

Platt, einfach nur platt



Komplett im Eimer





Das soll jetzt aber nicht heissen, dass wir die Expedition bereut haben. Im Rückblick war sogar die Autogeschichte ein Abenteuer und Lernprozess. Aber wenn man bei 40 Grad im nicht vorhandenen Schatten im Sand steckenbleibt und keinen Ersatzreifen mehr hat, wird einem mulmig ums Herz, denn eine Werkstatt ist mehrere Tage entfernt, Opelersatzteile nicht vorhanden und wie das Auto dahin kommt völlig unklar.

Nagassi, unser Danakil Guide







Aber alles ging mal wieder gut und wir wurden mit einer spektakulären Landschaft belohnt. Die erste Nacht verbrachten wir in der Nähe eines Salzsees. Die Luft war schwer, dick und selbst in der Nacht extrem heiss. Neben uns befand sich eine kanadische Mine, die aus dem Boden Mineralien zur Düngerherstellung buddelte. Die Stimmung in diesen Geisterhütten erinnerte uns an eine Szene in MAD MAX. Am zweiten Tag fuhren wir durch die halbe Wüste an den Fuss des noch immer aktiven Vulkans Erta Ale. Das letzte Stück zum Krater mussten wir zu Fuss und in der Nacht zurücklegen, denn tagsüber ist es einfach zu heiss. Nach vier Stunden erreichten wir den Kraterrand. Unter uns zischte und brodelte es, überall im Magma-See gab es kleine Eruptionen und die Luft schien manchmal zu brennen. Bilder können die Stimmung leider nicht ganz festhalten, denn wenn unter einem die Urkraft der Erde Steine zum Schmelzen bringt, braucht man all seine Sinne, um das zu verstehen. Wir haben mal über Vulkanbesessenen gelesen, die an alle aktiven Vulkane weltweit pilgern und nach unserem Erlebnis verstehen wir diese Faszination zu 100%.

Der Magma-See ist 50 Meter breit und 70 Meter tief













Erkaltetes, phallisches Lava





Lava-Haare (?) vor Sonnenaufgang



Zum Schluss besuchten wir noch Salz- und Schwefelseen, die aus der Tiefe der Erde Gase, Kristalle, heisse Säuren und Steine in allen Farben beförderten. Es ist ein Ort, wo man sich der Urgewalt der Erde bewusst wird und für einen kurzen Moment Einblick ins unheimliche Innere des Planeten bekommt.











Unsere Beschützer mit trendy Sandalen









Schwefelsee



Mühsam kroch unser angeschlagene Hampi die 2500 Höhenmeter ins äthiopische Plateau zurück und checkte direkt ins ISUZU-Garagen-Sanatorium ein. Wir hingegen sitzen gemütlich bei einem Bier auf der Hotel-Terrasse, erinnern uns an den Danakil und lächeln selig vor uns hin.

Dario and the mechanics



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